Emotionen, Stimmungen und Gefühle bestimmen in jeder Sekunde über unseren Körper.

Ich sage nichts.
Das Pferd antwortet.
Ich will nicht sprechen.
Das Pferd fragt.
Ich will nicht antworten.
Das Pferd spricht.
Ich höre zu.
Dann hält es inne.
Und ich beginne zu erzählen.

(Quelle unbekannt)

Emotionen, Stimmungen und Gefühle bestimmen in jeder Sekunde über unseren Körper, Geist und Gedanken. Meist treiben sie uns unbemerkt an zu lieben, zu trauern, zu lachen oder Angst zu verspüren. Wir alle leben mit Emotionen und gehen tagtäglich mit unseren Gefühlen sowie den Emotionen und Gefühlen anderer um. Wichtig ist aber sich bewusst zu machen, dass dieser Umgang mit Emotionen und Gefühlen von klein auf gelernt werden muss. Kinder lernen dies vor allem von Vorbildern und in zwischenmenschlichen Beziehungen mit Erwachsenen, anderen Kindern aber eben auch von und mit unseren Tieren.

In diesem Beitrag möchte ich bewusst machen wie wichtig es ist, nicht auf unsere Gefühle zu vergessen, unsere Körpersprache, als auch die unserer Tiere hautnah wahrzunehmen und zu verstehen. Dabei möchte ich als ausgebildete Volksschullehrerin vor allem aus Sicht der Pädagogik näher auf das Thema eingehen.

Indianer kennen keinen Schmerz!

Von Kindern wird verlangt stark, einfühlsam, sozial aber auch durchsetzungsfähig zu sein. Und gleichzeitig sollen sie Toleranz lernen und zu ihren Gefühlen stehen. Gar nicht so einfach. Vor allem wo in unserer Gesellschaft meist ganz anderes vorgelebt wird. Wie oft hört man Erwachsene zu Kindern sagen: „Indianer kennen keinen Schmerz! Du brauchst nicht zu weinen. Ach das tut doch gar nicht so weh!…“

Wie aber sollen Kinder dann verstehen was ihr Gegenüber wirklich meint, wenn Körpersprache und das Gesagte nicht zusammenpassen? Dasselbe Problem besteht auch schon seit Urzeiten zwischen Menschen und Pferden. Pferde können unsere Körper „lesen“ – wir brauchen nicht noch sprachlich etwas hinzuzufügen.

Pferde. Tiere, die seit Menschengedenken unsere Lasten tragen, uns tragen und ertragen. Die Begegnung mit Ihnen ist immer ein Erlebnis, welches den Menschen in seiner Seele berührt.

Der Mensch allein ist nichts, erst auf dem Pferd wächst er über sich hinaus.

„Der Mensch allein ist nichts, erst auf dem Pferd wächst er über sich hinaus.“, sagt ein bekannter Pferdemann Islands, wo das Pferd bis heute noch einen gegenwärtigeren Stellenwert besitzt und bedeutungsvoller für das Leben der Menschen ist. Friedlich und mit unendlicher Geduld hat das Pferd durch Jahrhunderte Wagen und Pflüge über Straßen, Wiesen und Felder gezogen. Pferde haben die Menschheit mobil gemacht. Heute, in einer Zeit ruheloser Mobilität führt uns das Pferd wieder zurück zu maß- und taktvoller Beweglichkeit. In einer Zeit, in der wir unsere Wurzeln in der Natur fast verloren haben, kann uns das Pferd helfen zu unserer Natur zurückzufinden, zu Lebendigkeit, Lebensfreude und Gesundheit.

Die heilsame Wirkung des Pferdes auf die geistige, körperliche, als auch seelische Gesundheit des Menschen wurde bereits in der Antike von Hippokrates erkannt. Heilsam sind Pferde aber nicht von sich heraus.

Das Pferd ist weder Therapeut noch Pädagoge, noch Arzt, es ist, wie es ist. (vgl. Pietrzak, 2001)

Durch den fachgerechten Einsatz können wir heute mit Pferden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen helfen, ihr Leben zu bereichern. Als ein Ziel meiner Arbeit möchte ich verdeutlichen wie einfach es ist, ein Stück mehr Freude, Selbstsicherheit und Zuversicht in das Leben der Kinder zu „zaubern“ – mit Hilfe tierischer Unterstützung.

Ein kurzer Ausschnitt aus meiner tiergestützten Arbeit 2012…

Meine Ausbildung der Pferde beginnt stets mit einer ausgiebigen Lektion der Bodenarbeit nach Parelli (auch NHT). Als ein echter Fan dieser Arbeit vom Boden aus und nach unzähligen schönen und berührenden Erlebnissen mit meinen Pferden im Bereich des Natural Horsemanship Trainings kann ich diese Art der Beziehungsarbeit nur jedem herzlichst empfehlen. Denn es ist eben mehr, als die Pferde im Kreis zu longieren und deren Muskelaufbau zu fördern, um dann stundenlang Kinder und Jugendliche in endlosen Kreisen durch den Reitplatz tragen zu können.

Durch die gezielte Auswahl verschiedenster Übungen stärkt man die Beziehung zum Pferd – wir lernen uns gegenseitig zu „lesen“ und hoffentlich auch zu lieben. Der Aspekt der Bewegung zum gesundheitlichen Körperaufbau des Pferdes kommt von ganz alleine, denn Bewegung findet man in dieser Art der Arbeit genug.

Es gibt mehr als Gehorsam.

Wichtig ist mir hierbei zu erwähnen, dass ich nicht das ganze Konzept der Parelli Arbeit mit vollster Überzeugung befürworte. Ich sehe die Basics eher als eine Art Anregung – ich gehe diesen nicht nach einem strikten Ablaufplan (Step 1, Step 2, usw.) nach. Ich nehme mir die Teile, welche zu mir und meinem Pferd passen, heraus und arbeite daran, ohne mir und dem Pferd zu schaden. Ein Pferd soll auch ein Pferd bleiben dürfen und mir nicht immer nur „gehorchen“ müssen.

Im Rahmen meiner Auseinandersetzung mit dem Pferd und der Arbeit im Bereich des Natural Horsemanship wurde mir auch sehr schnell bewusst, dass sich dies nicht nur auf das Pferd bezieht, sondern auch bei mir selbst etwas auslösen und bewirken kann. So war z. B. nur ein Aspekt der, dass ich je besser ich eine Übung beherrschte und je mehr sich mein Pferd auf mich einzulassen begann, ich immer selbstbewusster wurde und mich immer stärker und kompetenter werden ließ. Auch mit Kindern kann man die wunderschönsten Erlebnisse erreichen, wenn Pferd und Kind mit der Bodenarbeit und der Körpersprache der Pferde vertraut sind.

Hierzu möchte ich als ein Beispiel eine Situation aus einer meiner Kinderreitstunden erwähnen. Nach dem tragischen Unfalltod meiner zauberhaften und von den Kindern über alles geschätzten Paint Horse Stute Ireen schienen einige Kinder das Interesse an der Bodenarbeit mit meinen anderen Pferden zu verlieren. „Keiner wird das so gut machen wie unsere Ireen. Mit der haben wir ja so fleißig geübt, ich denke nicht, dass Silence auch so einfach neben uns herlaufen kann, ohne was am Kopf.“ Das waren die ersten Gedanken der Kinder, als sie meine andere Stute Silence zum ersten Mal sahen. Ja, sie fanden sie auch hübsch, aber keiner konnte sich vorstellen, dass bereits mit Ireen erlebte tolle Gefühl der Vertrautheit und Freundschaft mit einem anderen Pferd auch erleben zu können.

Was die Kinder zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht wussten war, dass ich Silence bereits seit ihrem 3. Lebensjahr hatte und sie nunmehr seit 4 ½ Jahren mit Natural Horsemanship vertraut war.

Nach der ersten Phase der Eingewöhnung bei uns am Hof habe ich dann mit den Kindern begonnen, Silence in unsere Einheiten bewusst mit einzubeziehen. Bis zu diesem Tag war Silence immer mit dabei, aber eben nur als Beobachtungstier sowie zum Streicheln und Füttern. „Wir wollen, dass Silence unsere Freundin wird.“ war der Wunsch aller Kinder. „Na gut, aber wie wird man Freunde?“, war meine Frage an die Kinder. Nach einigen Sekunden brachten mir die Kinder zahlreiche Vorschläge: „…mit Freunden teilt man und man tröstet wenn sie traurig sind. Man kann mit ihnen spielen und auch manchmal Blödsinn machen. Am schönsten ist es, wenn man zusammen lachen kann…“. All das wollten wir nun versuchen mit Silence zu erreichen und so begannen wir zu aller erst mit Silence zu teilen. Jedes Kind suchte sich eine Karotte und teilte sie in zwei Stücke. Eine Hälfte legten wir in ihre Futterschüssel, die andere behielten wir in unserer Hand. Dann war es an der Zeit Silence zu trösten, denn ganz sicher war auch sie traurig über den Verlust unserer Pferdefreundin Ireen. So bekam jedes Kind die Möglichkeit kurz mit Silence zu kuscheln. Diese Art der Zuwendung sah bei den Kindern sehr unterschiedlich aus. Während die einen sich um den Hals schlangen und man das Gefühl hatte sie würden das Pferd sogleich aufheben und auf ihren Schoß setzen wollen, waren andere eher zurückhaltend und tätschelten Silence nur leicht an der Schulter. Von küssen bis streicheln war alles zu sehen. Meine Aufgabe als Pädagogin war hier in erster Linie die Kinder etwas zurückzuhalten um unser Pferd nicht zu erdrücken und einzuengen. Die Situation war für das Pferd allerdings keine neue, da die 7-jährige Stute auch bereits an ihrem früheren Stall in Koppl zu pädagogischen Zwecken eingesetzt wurde. Sie beherrscht sowohl die Lektion des Ruhig Stehens, als auch des Berührens am ganzen Körper.

Wir bringen Kinder zum Lächeln.

Nun war es an der Reihe die Kinder zum Lächeln zu bringen und sie mit etwas zu überraschen wovon sie nicht glaubten dass dies auch mit Silence möglich sei.
So stellte ich alle Kinder an den Rand des umzäunten Reitplatzes an eine Stelle, von welcher sie mich und das Pferd gut beobachten konnten. Dann begann ich Silence das Halfter vom Kopf zu nehmen und gab ihr das Zeichen um stehen zu bleiben. Das Halfter trug ich ruhigen Schrittes zu den Kindern an den Rand der Umzäunung und gab es diesen. Dabei hörte ich schon das Erste stauen: „Die bleibt ja wirklich stehen. Die hört auf dich, Regina!“

Mit einem kleinen Lächeln machte ich mich wieder zurück auf den Weg zu Silence in die Mitte des Reitplatzes. Ich stellte mich neben die Schulter des Pferdes und begann frohen Schrittes loszugehen. Silence ging mit. Ich begann schneller zu laufen, Silence lief mit. Bei der nächsten Runde gab ich Silence das Zeichen um neben mir her zu galoppieren. Auch das machte sie mit großer Freude. Vor dem Standpunkt der Kinder sagte ich kurz „Wow!“, blieb stehen und – auch Silence stand ruhig neben mir.

„Silence kann das doch auch! Wie hast du das gemacht?“ fragte mich Jasmin. Darauf antwortete Neila nur kurz: „Ich glaube Silence und Regina sind einfach schon Freunde!“. Und dann sah ich es – dieses bezaubernde Lächeln in den Gesichtern derer Kinder, welche noch kurze Zeit zuvor daran glaubten, nie wieder eine so gefühlvolle Pferdefreundin wie Ireen kennen lernen zu können.

Nach einer kurzen Verschnaufpause für Silence und mich begannen wir dann mit unserer Freundschaftsarbeit. Zuerst mit Halfter und Strick, in weiteren Einheiten auch ohne Strick und schließlich ohne Strick und Halfter, völlig frei. Selbstbewusst hatten die Mädchen dann die Möglichkeit am Ende einer Einheit den Eltern vorzuführen, was sie jetzt mit ihrer neuen Freundin Silence schon konnten. Die Eltern lächelten mir zu und fragten ob ich da anstatt eines Pferdes nicht eher einen Hund gekauft hätte… .